V.l.n.r.: Jürgen Thau, Annegret Hölscher, Dr. Daniela De Ridder und Dr. Arno Schumacher

Die gesundheitliche und pflegerische Versorgung in unserer Region stärken!

Nordhorn. Zu ihrer Veranstaltung „Gesundheit und Pflege 4.0“ aus der Reihe „Fraktion vor Ort“ hatte die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder die Leiterin der Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim, Annegret Hölscher, den Vorsitzenden der Gesundheitsregion EUREGIO, Dr. Arno Schumacher, und den Geschäftsführer der EUREGIO-Klinik, Jürgen Thau, eingeladen. De Ridder betont die Zielstrebigkeit bei der Regierungsarbeit und zeigt sich zuversichtlich, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarten Vorhaben zu einer substanziellen Verbesserung in der Pflege und der hausärztlichen Versorgung führen werden. Für die Grafschaft Bentheim bedarf es jedoch rasch eines Gesamtkonzeptes.

Die sehr gut besuchte Veranstaltung aus der Reihe „Fraktion vor Ort“ warf einen genaueren Blick auf die Anforderungen und anstehenden Herausforderungen der medizinischen und pflegerischen Versorgung in der Region. De Ridder, die leider kurzfristig auf ihre angekündigte Kollegin Martina Stamm-Fibich verzichten musste, machte deutlich, dass es beispielsweise in der Grafschaft Bentheim einen sehr unterschiedlichen Abdeckungsgrad in der medizinischen Versorgung gibt. In manchen Kommunen kann der gute hausärztliche Versorgungsgrad nur aufrechterhalten werden, weil freiberufliche Hausärztinnen und Mediziner noch deutlich jenseits des Renteneintrittsalters tätig sind. Diskutiert wurde auch die Möglichkeit der Einrichtung sogenannter Medizinischer Versorgungszentren (MVZ), die von mindestens zwei oder mehreren Fachärztinnen wie auch Allgemeinmedizinern gegründet werden können und ein breites gesundheitsförderndes Angebotsspektrum „aus einer Hand“ bieten. De Ridder verwies im Zuge ihres Vortrags auf den dringenden Handlungsbedarf in der Region, da der demografische und strukturelle Wandel voran schreitet.

„Die Herausforderungen in Pflege und medizinischer Versorgung werden insbesondere in den ländlichen Regionen spürbar zunehmen – dies sorgt für großen politischen Handlungsbedarf. Wir müssen rasch Sorge dafür tragen, eine menschenwürdige, gute und verlässliche Pflege zu gewährleisten. Auch die Arbeit von Pflegekräften muss angemessen honoriert und pflegende Angehörige noch besser entlastet werden. Dafür haben wir bereits wichtige Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht: Wir schaffen in einem ersten Schritt 13.000 neue Stellen für Fachkräfte in stationären Einrichtungen der Altenpflege, um dort dem Mangel an Pflegekräften zu begegnen“, erklärt Dr. Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems. „Dies ist jedoch keineswegs ausreichend. Um die Pflegeberufe attraktiver zu machen und den steigenden Fachkräftebedarf zu decken, müssen vor allem die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dazu bedarf es tarifgebundener Löhne. Auch die Abschaffung des Schulgeldes an den Pflegeschulen in Niedersachsen und die Durchführung einer Ausbildungsoffensive sind wesentliche Verbesserungen, um dem Pflegenotstand entgegenzutreten“, unterstrich De Ridder.

In Deutschland fehlen zurzeit über 50.000 Pflegekräfte. Aktuell sei es kaum mehr möglich, ein Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung ohne ausländische Pflegekräfte oder Ärzte und Mediziner zu betreiben, schilderte Jürgen Thau, Geschäftsführer der EUREGIO-Klinik die Situation vor Ort. Daher sei es wichtig, die Rahmenbedingungen, insbesondere die Bezahlung, in der Bundesrepublik zu verbessern und die Pflegeberufe wieder attraktiv zu machen. Dies gelinge auch dadurch, wenn das Berufsbild der Pflegekräfte gesellschaftspolitisch eine deutliche Aufwertung erfahren würde. Er thematisierte auch den besorgniserregenden Ärztemangel in der Grafschaft Bentheim – ein Thema, das mindestens ebenso lebhaft diskutiert wurde. Der Ärztemangel sei in der Grafschaft Bentheim bereits ein nicht zu leugnendes Problem: 80 Prozent der  Ärztinnen und Ärzte in der EUREGIO-Klinik stammen nicht aus Deutschland, beschrieb Thau die aktuelle Situation am Nordhorner Klinikum.  Auch die hausärztliche Versorgung sei in den kommenden Jahren nicht flächendeckend gesichert.

„Wir brauchen dringend mehr Studienplätze für Medizin, damit genügend Ärzte ausgebildet werden können“, forderte Dr.  Arno Schumacher, Vorsitzender der Gesundheitsregion EUREGIO. Seit 1980 habe sich die Arztdichte in Deutschland mehr als verdoppelt. Mit 4,1 praktizierenden Ärzten je 1000 Einwohner liege Deutschland im internationalen Vergleich auf einem Spitzenplatz. Das große Problem sei die ungleiche Verteilung von Arztpraxen zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen. Mit dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ sollte hier Abhilfe geschafft werden, was jedoch bisher nur zum Teil gelungen sei. Dies bestätigte auch De Ridder, die in der vergangenen Legislaturperiode im Bildungsausschuss für die Reform des Medizinstudiums zuständig war. Auch der Landkreis hat bereits erste Maßnahmen ergriffen, um die hausärztliche Versorgung in der Grafschaft Bentheim sicherzustellen. Mit insgesamt sieben Stipendien sollen Studierende der Humanmedizin finanziell gefördert werden, die sich schon während des Studiums für eine spätere mehrjährige Tätigkeit in der Grafschaft entscheiden, betonte Annegret Hölscher, Leiterin der Gesundheitsregion Grafschaft Bentheim.

„Der Ärzte- und Fachärztemangel kann durchaus zu einem strukturellen Problem werden, das unsere Region stark belastet. Auch deshalb brauchen wir wirksame Methoden, um mit den notwendigen Anreizen mehr Ärztinnen und Ärzte in unsere Region zu holen. Dass bei der Reform des Medizinstudiums der Zugang zum Studium durch das Hinzuziehen weiterer Qualifikationen erweitert wurde, begrüße ich sehr. Jedoch genügt dies nicht, wenn nicht auch mehr Studienplätze geschaffen werden und am Ende mehr Menschen Medizin studieren können. Eine Landarztquote, eine Art Zwang zur Niederlassung auf dem Land, halte ich für problematisch, da nicht verfassungskonform. Auch die Zuwanderung von qualifizierten Ärztinnen, Medizinern und Pflegekräften halte ich auf Dauer nicht für die passende Lösung: Schließlich fehlen diese Akademikerinnen und Ärzte in ihren Heimatländern, was ich als Außenpolitikerin schon in zahlreichen Ländern beobachten konnte. Wir werden uns hier zeitnah mehr einfallen lassen müssen, um unsere Region für Ärztinnen und Ärzte attraktiv zu gestalten. Wir brauchen ein gemeinsames Konzept für unseren Landkreis, bei dem alle beteiligten Akteure zusammen mitwirken. So verspreche ich mir viel von der Idee, die Schaffung eines medizinischen Versorgungszentrums anzugehen“, bekräftigt De Ridder.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder dankte Annegret Hölscher, Jürgen Thau und Dr. Arno Schumacher für ihre facettenreichen Vorträge und den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern für ihre engagierten Beiträge zur Diskussion.

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