Neuenhaus. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder besuchte den Verein zum Erhalt des Frank Hauses in Neuenhaus und kam dort mit den Vorsitzenden des Fördervereins Günter Frank Haus e.V., Christa Pfeifer und Norbert Voshaar, ins Gespräch. Das Konzept für das Günter Frank Haus wurde vom „Arbeitskreis Neuenhaus in der NS-Zeit“ im Jahr 2014 entwickelt und soll ein Ort des Gedenkens an die vom Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Juden, ein Ort der Dokumentation ihrer mehrhundertjährigen Geschichte in der Region und ein Ort der Begegnung werden. De Ridder ließ sich das Konzept zur beeindruckenden Erinnerungs- und Gedenkkultur der Neuenhauser genau erläutern.

„Die Erinnerung und das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist ein besonders wichtiges Anliegen in unserer Gesellschaft, weil es demokratiestiftend ist. Die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes trugen dieser Erfahrung Rechnung, als sie unsere Verfassung entwickelten, verabschiedeten und dabei deutlich machten, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Der Antifaschismus ist nicht nur tief verwurzelt in meiner Familie – mein Vater war als junger Mann Widerstandskämpfer in der belgischen Résistance –, sondern ebenso in meiner Partei, der SPD, die bekannter Maßen im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Die Millionen Toten und Opfer der Shoa mahnen uns alle, den Anfängen von Hass und Rassismus zu trotzen. Wie wichtig das ist, wird heute leider immer wieder unter Beweis gestellt: In Deutschland und in Europa formieren sich rechtsradikale und -populistische Parteien, von denen wir längst glaubten, sie könnten keinen fruchtbaren Boden mehr finden. Leider sind rechtsradikale Parolen und ‚Hate Speech‘ ein Mittel der Kommunikation geworden, mit dem auch gegen Politikerinnen und Abgeordnete agitiert wird. Auch der Antisemitismus, von dem wir glaubten, er sei längst zurückgedrängt, scheint wieder zu erstarken. Umso deutlicher müssen wir betonen, dass wir auch unsere Anstrengungen im Kampf gegen den Antisemitismus intensivieren“, erklärt Dr. Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems.

Besorgt zeigt sich De Ridder angesichts der aktuellen Entwicklungen in Deutschland und Europa, die neben der Gesellschaft auch der Politik mehr Engagement abverlangen. Umso mehr dankte sie den Engagierten des Fördervereins Günter Frank Haus e.V. ausdrücklich und betonte im Dialog mit Christa Pfeifer und Norbert Voshaar, wie wichtig ihre Arbeit für die Erinnerungskultur ist, für den Erhalt von Wissen und Erfahrung der Überlebenden und für das demokratische Bewusstsein der jüngeren Generationen. Das Haus soll mit dem Namen von Günter Frank stellvertretend an alle anderen Opfer der Shoah erinnern; er war der einzige Sohn der Neuenhauser Julius und Selma Frank und wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Zur Umsetzung des Projektes fehlt dem Förderverein noch ein beteiligter Sponsor, da das unter Denkmalschutz stehende Haus erst erworben und saniert werden muss. Dabei besteht der Plan, dass das Haus nicht nur als Gedenkstätte, sondern auch in weiteren Funktionen der Sozialarbeit für die Gemeinschaft zur Verfügung stehen sollte.

Norbert Voshaar, Dr. Daniela De Ridder und Christa Pfeifer I

„Die Erinnerung an die Shoah, an die Opfer des Nationalsozialismus, schließt die Frage nach der Verantwortung für Gegenwart und Zukunft ein. Unser Projekt richtet sich daher bewusst gegen Antisemitismus, Fremdenhass und Rassismus und hat sich von Beginn an der Förderung von Verständnis und Toleranz zwischen verschiedenen Kulturen verschrieben“,  sagt Christa Pfeifer, 1. Vorsitzende des Fördervereins Günter Frank Haus e.V.

„Wir haben gerade erst erlebt, dass in den USA große Proteste rassistischer, nationalistischer und menschenfeindlicher Strömungen um sich greifen und Menschen dabei ums Leben kommen. Besonders verwerflich ist, dass der amtierende Präsident der USA – der ja eigentlich ein Repräsentant der gesamten Nation sein soll – dabei versagt, sich frühzeitig klar von den Rechtsextremen abzugrenzen. Allerdings lässt sich auch vermuten, dass er auch ihren Stimmen seinen Wahlsieg verdankt. Dennoch sollten wir nicht nur mahnend mit dem Finger auf andere Länder zeigen: Auch hier gilt es, populistischen und nationalistischen Parteien entgegen zu treten und alles dafür zu tun, dass bei der kommenden Bundestagswahl die Rechtspopulisten keinen Platz im Bundestag erhalten“, bekräftigt De Ridder.

Neben dem bedrohlichen Aufwind für rechte Strömungen erinnert De Ridder auch daran, dass die Behörden im Falle des NSU-Terrors in Deutschland versagt haben. Das liegt auch daran, dass die Bedrohung durch Rechtsextremismus nicht ernst genug genommen wurde. Daher appelliert De Ridder an alle zivilgesellschaftlichen Kräfte, in einer solidarischen Gemeinschaft gegen Hass und Rassismus zusammenzustehen. „Die Menschen in Neuenhaus machen vor, wie Erinnerungskultur gelebt werden sollte – das stimmt mich zuversichtlich und ich unterstütze ihre Arbeit weiterhin sehr gerne und prüfe zudem, ob es Fördermöglichkeiten des Bundes gibt“, bekräftigt De Ridder.