Nordhorn. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder kam in Nordhorn mit dem Geschäftsführer von Expert Bernd Horstmann ins Gespräch und beriet über die Entwicklung im Einzelhandel in der Region. Auch die Firma Expert steht unter zunehmenden Konkurrenzdruck durch den Internethandel, weshalb Horstmann für mehr Möglichkeiten zu Sonntagsöffnungszeiten plädierte. De Ridder möchte vor allem die Bürgerinnen und Bürger zu mehr Engagement für die Region aufrufen.

„Ohne Frage leidet der Einzelhandel unter dem verstärkten Internetversand. Dabei müssen sich die Verbraucherinnen und Kunden fragen, ob sie im Zweifel durch einen Einkauf im lokalen Einzelhandel nicht doch eher die Region stärken können. Schließlich hängen daran viele Arbeitsplätze und es wäre sehr bedauerlich, wenn mangels Nachfrage zahlreiche Läden in unseren Innenstädten schließen müssten und diese dadurch immer unattraktiver werden“, erklärt Dr. Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems.

Bei dem Gespräch äußerte Horstmann sein Unverständnis über die Einschränkungen und Bedingungen für Sonderöffnungszeiten an Sonntagen. Ausgangspunkt des Gesprächs war ein von der Gewerkschaft Ver.di erwirktes Urteil gegen die Sonntagsöffnungszeiten beim Verwaltungsgericht Osnabrück: Für den 08. Januar 2017 kippte Ver.di die von der Stadt Nordhorn erlassene Sondergenehmigung für die Öffnung der Läden am Sonntag. Seit der Föderalismusreform 2006 ist die Ladenöffnungszeit in der Länderkompetenz, wobei das Verwaltungsgericht Osnabrück sein Urteil mit dem besonderen Schutz der Sonn- und Feiertage durch das Grundgesetz begründete. Die von Niedersachsen bestimmte Regelung, wonach es eines besonderen Anlasses zur Sonntagsöffnung an maximal vier Sonntagen im Jahr bedarf, war in diesem Fall nicht erfüllt. Ver.di und die Kirche stehen der Sonntagsöffnung von Geschäften besonders kritisch gegenüber.

„Ich wünsche mir keine Sonntagsöffnungszeiten aber wir müssen beim wachsenden Konkurrenzdruck mithalten können – nicht nur gilt die Tatsache, dass der Internetverkauf wächst und der ruht ja keineswegs an Sonntagen; wie schwierig unsere Lage ist, zeigt sich auch in unserer Grenzregion: Während hierzulande die Läden geschlossen bleiben, fahren viele über die Grenze zum Sonntagseinkauf zu unseren niederländischen Nachbarn. Dort sind die Regeln deutlich lockerer“, beklagt Bernd Horstmann, der sich dafür einsetzt, dass auch Läden auf der „grünen Wiese“ in die Regelung der Sonntagsöffnungszeiten einbezogen werden.

Und tatsächlich haben in den größeren Städten die meisten Geschäfte 52 Wochen pro Jahr sonntags geöffnet, sogar am Ersten Weihnachtstag haben die niederländischen Supermärkte geöffnet. De Ridder sieht in den Entwicklungen die Notwendigkeit eines Kompromisses, der zum einen den Einzelhandel stärkt, und zum anderen die Interessen der Belegschaft wahrt: „Wer Kinder hat und wenigsten den Sonntag mit der Familie verbringen will,  möchte sicherlich nicht an diesem Tag im Laden stehen. Und dass sich auch unsere Kirchen gegen den verkaufsoffenen Sonntag wehren, verstehe ich aufgrund unserer christlichen Tradition sehr gut.“

So könnten Sondergenehmigungen unter Umständen dann gewährt werden, wenn die Angestellten an anderen geringer frequentierten Werktagen entlastet werden. Sie erinnert in diesem Zusammenhang an die vom Bundeswirtschaftsministerium initiierten „Dialogplattform Einzelhandel“ in Berlin. So  drohen vor allem kleine und mittelständische Händler Existenznot zu geraten. Und das im großen Stil: Bis 2020 werden laut Schätzungen des Handelsverbands Deutschland rund 50.000 Standorte vom Markt verschwinden. Das sind immerhin zehn Prozent des derzeitigen Angebots. Besonders betroffen dabei sind die Sortimentsbereiche Kleidung, Elektronik oder Büchern und Schreibwaren. Dennoch wirbt De Ridder vor allem bei den Verbraucherinnen und Verbraucher darum, den Einzelhandel vor Ort zu stärken – dies könne auch an allen Werktagen geschehen.

„Wenn die Menschen Arbeitsplätze vor Ort sichern wollen und nicht nur auf große Internetversandhändler zurückgreifen, können wir die Situation des Einzelhandels erheblich stärken. Daher möchte ich dazu aufrufen, beim nächsten Einkauf genau zu überlegen, ob es sich nicht doch lohnt, im Einzelhandel vor Ort zu kaufen. Schließlich bekommen die Menschen dort auch eine professionelle Beratung, was den Gang in die Innenstadt oder zu einem Händler vor Ort allemal lohnend macht. Und auch Ambiente und Flair einer Stadt tragen ja zu einem netten Shopping-Erlebnis bei“, ermutigt De Ridder die Kunden.