Fachgespräch: Die Situation der Pflegekräfte während der Corona

Grafschaft Bentheim/Emsland. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder kam beim ihrem Online-Fachgespräch mit ambulanten Pflegedienstleitungen und Pflegekräften aus der Region ins Gespräch und informierte sich über die aktuelle Arbeitssituation während der Corona-Pandemie. De Ridder betont, dass das Berufsbild der Pflegekräfte eine deutliche Aufwertung erfahren muss.

„Die aktuelle Corona-Situation zeigt, wie unentbehrlich und wertvoll die Arbeit der zahlreichen Pflegekräfte ist. Der Applaus, den die Pflegekräfte für ihre Arbeit erhalten haben, war eine begrüßenswerte gesellschaftliche Anerkennung. Doch dabei kann es nicht bleiben: Um die Pflegeberufe attraktiver zu gestalten und den steigenden Fachkräftebedarf zu decken, müssen vor allem die Rahmenbedingungen verbessert werden. Vor welchen Herausforderungen die ambulanten Pflegedienste stehen und was sich die Pflegekräfte von der Politik wünschen, das wollte ich in meinem Fachgespräch mit Martina Lippert und ihren Kolleginnen erfahren“,  erklärt Dr. Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems.

Gute Pflege wird von und für Menschen gemacht. Spätestens jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, wird ersichtlich, wie wichtig und systemrelevant die Arbeit der zahlreichen Pflegefachkräfte ist. Doch stößt unser Gesundheitssystem an seine Grenzen: vor allem das fehlende Personal bereitet Martina Lippert, die seit 1994 einen ambulanten privaten Pflegedienst in Lingen leitet, große Sorge.

Um mehr junge Menschen für einen Pflegeberuf zu ermutigen, bedürfe es einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen. So wusste Lippert aus eigener Berufspraxis zu berichten, dass ihre MitarbeiterInnen – gerade auch in der aktuellen Corona-Situation – häufig an ihre Belastungsgrenzen stoßen.

Seit vielen Jahren setzt sich die SPD-Bundestagsfraktion dafür ein, die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte spürbar zu verbessern. So wurde etwa mit dem Pflegestärkungsgesetz Sorge dafür getragen, 13.000 neue Stellen in der stationären Altenpflege zu schaffen, die über Bundesmittel von den Krankenkassen finanziert werden. Allerdings dauere es, die offenen Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen, führt die SPD-Bundestagsabgeordnete aus. Daher sei es dringend geboten, für mehr Nachwuchskräfte in der Pflege zu sorgen. Gerade um jungen Menschen, die in diese Berufe einsteigen wollen, eine Perspektive zu bieten, sei es notwendig, dass sie von der Entlohnung, die sie erhalten, auch ihren Lebensunterhalt bestreiten und ihre Familien ernähren können. Daher war die Abschaffung des Schulgeldes in der Pflegeausbildung ein wichtiges Signal. Auch die Einführung einer einheitlichen Ausbildung, die den Weg sowohl in die Kranken- als auch in die Altenpflege eröffnet, trägt dazu bei, die Attraktivität des Berufs für junge Menschen zu steigern. Zudem treibt die SPD-Bundestagsfraktion eine Reform der Pflegeversicherung als Grundlage eines umfassenden, ganzheitlichen Ansatzes voran. Diese Reform soll sowohl den Ansprüchen unserer immer älter werdenden Gesellschaft folgen als auch einen Beitrag zu einer nachhaltigen und solidarischen Finanzierung der Pflege leisten.

Gefragt nach konkreten Verbesserungswünschen an die Politik wies Lippert darauf hin, das Kranken- und Pflegeversicherungen überprüft werden müssten, wie sie mit den Geldern der Versicherten umgehen: Wieviel Gelder werden für welche Leistungen der Versicherten zur Verfügung gestellt. Für die häusliche Versorgung sei der Anteil jedenfalls äußerst gering, betont Lippert.

Ein weiteres Gesprächsthema war die Einführung eines allgemeinverbindlichen Tarifvertrages – sowohl für private als auch für öffentliche Anbieter. De Ridder und Lippert sind sich darin einig, dass eine höhere Bezahlung der in der Pflege tätigen MitarbeiterInnen von großer Bedeutung ist. „Wenn die Pflege am Menschen immer noch deutlich schlechter bezahlt wird, als die Pflege am Auto, dann stimmt etwas in unserer Gesellschaft nicht. Die vergangenen Wochen und Monaten haben uns alle vor Augen geführt, wie wichtig und wertvoll die Arbeit der Pflegekräfte ist. Daher setze ich mich konsequent für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege ein, denn die zahlreichen Pflegekräfte müssen endlich die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen“, betont De Ridder abschließend.

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