Gegen das Vergessen und für die Menschlichkeit

70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die alliierten Streitkräfte erinnerte der Bundestag in einer Gedenkstunde an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus.

Ausschwitz war das größte deutsche Vernichtungslager während des Nationalsozialismus. Wie auch die anderen Konzentrationslager mahnt es uns daran, diese menschenverachtenden Gräuel nie zu vergessen. Ausschwitz und der Blick in die Geschichte des „Dritten Reiches“ lehren uns mit Nachdruck, wie verheerend und mörderisch Diskriminierung sein kann.

„Dass wir uns heute bei der Gedenkstunde zur Befreiung des Konzentrationslagers daran erinnern, bedeutet daher auch, dass wir als Jüngere denjenigen Respekt und Ehrfurcht zu erweisen haben, die Opfer dieses Regimes wurden. Auch müssen wir den überlebenden Zeitzeugen dafür danken, dass sie uns nicht erlauben, dass wir uns heute erneut aus der Verantwortung stehlen. Ausschwitz mit seinem Antisemitismus, mit seiner Verachtung für Homosexuelle, mit seinem Hass gegenüber Andersdenkenden zu begreifen, gelingt mir nicht“, sagt Dr. Daniela De Ridder, Mitglied des Deutschen Bundestages.

 

Mit großer Sorge betrachtet die Bundestagsabgeordnete, dass in der heutigen Zeit der Antisemitismus global wieder zugenommen hat, wie es auch der Zentralrat der Juden in Deutschland deutlich gemacht hat. Bei den Anschlägen von Paris gehörte ein jüdischer Supermarkt zu den Anschlagszielen der Terroristen. Damit wird auch Europa erneut mit unerträglichen Gewaltakten gegen Juden konfrontiert.

„Umso wichtiger ist es für mich, dass wir heute Erinnerungsarbeiten auch so verstehen, dass wir nicht zulassen, dass Menschen erneut aufgrund ihrer Religion verachtet werden. Mein Vater stammte aus einer belgischen Familie, die Ende des 19. Jahrhunderts vom Judentum zum Katholizismus konvertierte. Dass jüdische Kultur bei meiner Urgroßmutter Sarah und ihrer Schwester Rachel zwar gelebt, immer aber auch verschwiegen wurde, hatte wohl auch damit zu tun, dass Juden zu dieser Zeit zwar noch nicht ermordet, aber gesellschaftlich verachtet wurden. Diese nie offen ausgesprochene Haltung und das Wissen, dass wer anders denkt und lebt, gefährdet ist, brachte meinen Vater als 20 Jährigen dazu, sich unter Einsatz seines Lebens der belgischen Résistance anzuschließen“, erläutert De Ridder.

Gesellschaft und Politik müssen im Kampf gegen rassistische und menschenverachtende Ideologie und religiösen Fundamentalismus jeder Art gemeinsam einstehen. Die Bundesrepublik steht an der Seite Israels und der Juden weltweit.

„Gegen Antisemitismus und Ausgrenzung von Menschen einzutreten,  ganz gleich, ob aufgrund ihrer Religion, ihres Geschlechtes, ihrer sexuellen Orientierung, ihre Weltanschauung oder einer Behinderung – dies ist auch Teil meines väterlichen Erbes. Am heutigen Tag ist mir dies sehr bewusst. Mutig hinzuschauen, nicht zu schweigen, wenn Unrecht geschieht, solidarisch zu handeln, Werte und Menschenrechte zu verteidigen, dies alles muss uns auch in einer verantwortungsvollen Politik leiten“ sagt De Ridder abschließend.

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