V.l.n.r.: Heinrich Strenge (SPD-Kreistagsabgeordneter), Johannes Sykman (SPD-Ortsvereinsvorsitzender Emlichheim), Dr. Daniela De Ridder (MdB), Holger Rohlfs (Geschäftsführer Bürgerhilfe Emlichheim), Gudrun Bowers (Pflegedienstleitung) und Silke Kampert (Bereichsleitung Pflege)

Bessere Unterstützung am Lebensende – Zu Gast bei der Bürgerhilfe Emlichheim

Emlichheim. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder besuchte die Bürgerhilfe Emlichheim. Gemeinsam mit Johannes Spykmann, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Emlichheim und Kreistagsmitglied Heinrich Strenge ließ sie sich von Geschäftsführer Holger Rohlfs über die Arbeit und aktuellen Herausforderungen im Bereich der stationären Hospizpflege informieren. De Ridder betont, dass eine qualitativ hochwertige Palliativversorgung in der Grafschaft Bentheim unbedingt notwendig ist.

„Jeder Mensch hat das Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen und unter Berücksichtigung seiner Vorstellungen und Bedürfnisse. In der letzten Phase des Lebens wünschen sich viele Menschen eine vertraute Umgebung, menschliche Nähe sowie die Linderung ihrer Schmerzen. Wir brauchen rasch einen umfassenden Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung in der Grafschaft Bentheim – dazu bedarf es weiterer Versorgungsangebote wie das der Bürgerhilfe in Emlichheim“, erklärt Dr. Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems.

Menschen mit schweren Erkrankungen, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich sei, bedürfen einer palliativen Versorgung. In den letzten Jahren sind deutliche Fortschritte beim Auf- und Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung erzielt worden. So gibt es bundesweit rund 230 stationäre Hospize für Erwachsene, in denen pro Jahr ca. 30.000 Menschen versorgt werden. Jedoch fehlt es insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen an Kapazitäten. Seit 2014 hält die Bürgerhilfe Emlichheim ein Angebot für die Versorgung von Bewohnern mit nicht mehr heilbaren Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium vor. Zum Konzept der Einrichtungen gehören neben großzügigen und wohnlichen Einzelzimmern, in denen bis zu drei Palliativpatienten betreut werden können, vor allem hochqualifizierte Pflegekräfte, die sich auch durch ihre menschlichen Empathie auszeichnen.

Eine große Herausforderung für die Aufrechterhaltung der stationären Hospizpflege sei allerding der akute Fachkräftemangel, beklagte Holger Rohlfs, Geschäftsführer der Bürgerhilfe Emlichheim im Gespräch mit der SPD-Bundestagsabgeordneten. Es sei notwendig, dass die Politik auf Kreis-, Landes- und Bundesebene hier gegensteuere und notwendige Rahmenbedingungen schaffe: „Was wir brauchen ist eine gute Bezahlung in der Pflege, Anerkennung und Wertschätzung und mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge in der Pflege“. Daher empfinde er die wachsenden Dokumentationspflichten in der Pflege nicht nur als große Herausforderung, sondern als „Verwaltungswahnsinn“, der dazu führen werde, dass weitere Pflegekräfte ihren Beruf aufzugeben drohten: „Die Pflege ist etwas ganz besonders, es ist die Überzeugung, mit der die Pflegekräfte ihre Tätigkeiten ausführen, was sie lieben. Die Leidenschaft, mit der sie sich für ‚unsere‘ Menschen einsetzen. Sie spüren, dass sie täglich für andere Menschen ein unverzichtbarer Halt im Leben sind“, zeigte sich Rohlfs überzeugt.

Die SPD-Bundespolitikerin De Ridder kann diese Sorgen gut verstehen: „In der Vergangenheit wurde meine Kritik, dass es sich bei Pflegeberufen vielfach um unterbezahlte Frauenberufe handele und dass die demografische Entwicklung in ihrer Problematik zumeist verkannt wurde, nicht ernst genommen. Aber seit ich stets wiederhole, dass etwas in unserer Gesellschaft nicht stimmen kann, wenn die Pflege am Menschen schlechter bezahlt wird als die Pflege am Auto, ernte ich inzwischen viel Zustimmung. Gerade weil die politischen Verbesserungen in ihrer Wirkungen häufig erst mittelfristig wirken können, wird der Politik oft Untätigkeit unterstellt. So war etwa die Abschaffung des Schulgeldes für die Altenpflegeausbildung –erst in Niedersachsen, dann auch im Bund – ein sehr wichtiger Schritt“, klärt De Ridder auf.

Die Beschwerden über ausgeprägte Dokumentationspflichten seien ihr bekannt, aber auch hier habe die Bundesregierung bereits in der vergangenen Legislaturperiode reagiert: So habe die Bundesregierung im Januar 2015 ein Projekt gestartet, um Pflegekräfte von Bürokratie zu entlasten. Durch die vereinfachte Pflegedokumentation müssen die Pflegekräfte so etwa in der Grundpflege keine Routinearbeiten mehr dokumentieren, sondern nur noch außerplanmäßige Ereignisse und Leistungen. Vorschläge zu weiteren Qualitätskontrollen und Nachweispflichten von Qualitätsstandards sehe aber auch sie eher kritisch, versichert De Ridder, da jede zusätzliche Kontrolle den Druck im Arbeitsalltag erhöht – angesichts der Arbeitsverdichtung in der Pflege ist es unbedingt nötig, Regulierungen und Bürokratie auf das unbedingt Notwendige zu begrenzen: „Ein Beitrag zu guter Pflege ist es wohl eher, wenn die Pflegekräfte besser bezahlt werden und Anreize zur Qualitätsentwicklung oder Auszeichnungen für exzellente Pflege geschaffen werden. Da zahlreiche weibliche Pflegekräfte in Teilzeit arbeiten, gilt dies wohl auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle. Das gilt sowohl für stationäre wie auch für ambulante Pflege“, zeigt sich die SPD-Bundestagsabgeordnete überzeugt.

Auch mit dem Sofortprogramm Pflege und dem „Pflegepersonal-Stärkungsgesetz“ sollen qua Gesetz spürbare Verbesserungen im Alltag der Pflegekräfte durch eine bessere Personalausstattung und bessere Arbeitsbedingungen in der Kranken- und Altenpflege erreicht werden. So sollen künftig Pflegepersonalkosten besser und unabhängig von Fallpauschalen vergütet werden. Auch umfasst das Sofortprogramm die Refinanzierung von Tarifsteigerungen und Ausbildungsvergütungen sowie die Finanzierung von 13.000 neuen Pflegstellen in der Altenpflege. Wenn dabei eine Stelle nicht mit einer qualifizierten Fachkraft besetzt werden kann, besteht im Ausnahmefall auch die Möglichkeit, diese mit einer Pflegehilfskraft, die sich zur Pflegefachkraft ausbilden lässt, zu besetzen, unterstreicht De Ridder. Gerade auch in den von Rohlfs kritisierten Bereichen der Pflegedokumentation sollen digitale Angebote zur Entlastungen der Pflegekräfte führen. Gleiches gilt für die Abrechnung von Pflegeleistungen, Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Pflegeheimen sowie stationäre Dienstpläne und ambulante Tourenplanung.

Des Weiteren hat die Bundesregierung ein modernes Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg gebracht, dass den deutschen Arbeitsmarkt künftig auch für Fachkräfte mit Berufsausbildung öffnet. Das könne, so De Ridder, vermutlich auch der Pflege in ländlichen Regionen zugutekommen. „Zukunftsweisend ist, dass bürokratische Hürden abgebaut und verlässliche Perspektiven aufgezeigt werden, damit Fachkräfte aus Drittstaaten, so zum Beispiel aus Osteuropa, ihr Leben in Deutschland verbringen und sich in die deutsche Gesellschaft integrieren können. Es ist wichtig, dass wir hier keine neuen bürokratischen Hürden aufbauen, denn davon ist die Pflege bereits stark betroffen.“ Gleichwohl könne die Migration von Fachkräften nicht alle Probleme in der Pflege lösen, betonen die SPD-Politiker De Ridder, Spykmann und Strenge einvernehmlich. Die Sicherstellung von Qualität in der Pflege, Qualifikationsoffensiven und eine adäquate Bezahlung bleiben auch zukünftig zentrale Herausforderungen. „Dies gilt auch auf der Ebene der Kreispolitik in der Grafschaft“, bekräftigte Strenge.

„Pflegebedürftige Menschen brauchen die Gewissheit, dass sie in dieser Lebensphase nicht alleine sind, sondern in jeder Hinsicht gut versorgt und begleitet werden. Umso mehr gilt dies für sterbende und schwer leidende Menschen. Daher ist es von großer Bedeutung, dass wir vorhandene Einrichtungen und Vereine unterstützen, den flächendeckenden Ausbau der Palliativversorgung fördern und zeitgleich Sorge dafür tragen, dass ausreichend Pflegepersonal vorhanden ist“, bekräftigt De Ridder.

 

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